Drucken

Kombinationen von der DEM 2012

 

Und nun zur Auflösug der letzten Wochenendaufgabe, wo wir uns mit Stellungen der vor kurzem zu Ende gegangen DEM beschäftigt haben:

 

Stellung 1:

 

Kabisch (2319) - Jorczik (2391)

 

Nach dem Einsteller 36.Tc1-c6?? konnte Schwarz einfach mit Tempo ein Schlupfloch schaffen:

 

36...Lg4+!! Man sieht sofort, dass der König nicht nehmen darf wegen ...h7-h5+ bzw. 37.Kh4 g5+! und danach nimmt Schwarz einfach die Dame.

 

Besonders unerwartet kommt dieser Paukenschlag, da g4 gleich doppelt überdeckt ist, doch natürlich verliert auch das Schlagen mit dem Springer: 37.Sxg4 Dxc6-+.

Dieses ungewöhnliche taktische Motiv hat Weiß womöglich in Zeitnot übersehen.

 

 

 

Bevor wir mit Stellung 2 fortfahren, hier erwähnte Begegnung

 

Short, N. (2660) - Timman, J. (2630)

Tilburg (4) 1991

 

Weiß am Zug gewinnt!

 

Nigel Short nutzte auf beeindruckende Art und Weise die paralysierte schwarze Stellung aus:

 

1.Kh2!! Was für ein Plan, alle weißen Figuten stehen gut, bis eben auf den König. Dieser hat sich eine Route nach h6 ausgeguckt, Schwarz ist gegen diesen langsamen, doch höchsteffektiven Plan ziemlich machtlos. Die Partie lief wie folgt:

 

1...Tc8 2.Kg3 Tce8 3.Kf4 Lc8 4.Kg5 1-0

 

Damit kommen wir zu Stellung 2:

 

Fridman (2653) - Pohl-Kümmel (2319)

 

Statt 29.Dh3, was selbstverständlich auch total in Ordnung ist, hätte Daniel Fridman, der spätere Deutsche Meister, seinen König auf dieses Feld ziehen und so auf den Spuren des großen Shorts wandeln können:

 

29.Kh3!! Derselbe Plan wie oben! Schwarz ist völlig gelähmt, die Springer sind gebunden, die Türme unbeweglich und auf z.B. 29...Da7 (greift f2 an), hat Weiß genügend Zeit für 30.Td2 und danach läuft seine Majestät einfach weiter Richtung feindlicher Monarch!

 

Schwarz dürfte dann nichts Besseres bleiben als mit ...Te7xe4 zu irgendeinem Zeitpunkt die Qualität zu opfern, wonach zu einer hoffnungslos passiven Stellung auch noch entscheidender Materialnachteil hinzukommt. Weiß gewinnt folglich.

 

Stellung 3:

 

Siebrecht (2463) - Dranischnikov (2327)

 

10...0-0? bestrafte der Essener GM effektiv mit einer forcierten Kombination, die auf den ersten Blick ganz offensichtlich verläuft, aber korrekt abgeschlossen werden muss:

 

11.e5! dxe5

11...Lxg2 12.exf6+- und Weiß gewinnt eine Figur.

 

12.Lxb7 Ta7 Jetzt hängen bei Weiß zwei Figuren, doch es geht weiter: 13.Sc6! Dxd1 14.Sxe7+ Ein Zwischenzug, der sogar eine zweite Figur gewinnt, doch...

 

14...Kh8 15.Txd1 Txb7

 

 

 

16.b3!

 

 

 

(s. Diagramm rechts)

 

Nur so materialisiert sich der weiße Vorteil, Schwarz kann nicht einfach auf e7 schlagen, da auf 16...Txe7? der Spieß 17.La3! die Qualität gewinnt.

In der Partie folgte 16...b5 17.Le3! bxc4 18.bxc4 Te8 19.Lc5+- und Weiß gewann einfach.